Zu den Werken von Markus Kravanja

 

In unverkennbarer Art zeigt Markus Kravanja seine Menschen in stillen Momenten, in denen Blicke und Gesten die einzige Form der Kommunikation sind. Dabei gelingt es ihm, die Gefühle dieser Personen in ihren großen Augen widerzuspiegeln und damit einen Blick in ihr Inneres freizugeben.

Es sind Menschen einer urbanen Gesellschaft, vorwiegend junge Frauen, deren Aussehen in der heutigen westlichen Welt weitläufig als nachahmenswert gilt. Auch die männlichen Protagonisten im Oeuvre Kravanjas folgen dem Modediktat, viele tragen elegante Anzüge. Doch in erster Linie geht es Kravanja nicht um den Zeitgeist, sondern um den Versuch, im Gegenwärtigen das Ewige, das Zeitlose, das Elementare zu entdecken und freizulegen. Auch der weitgehende Verzicht auf die Ausformung individueller Gesichtszüge hebt die Bildaussage auf eine Ebene größerer Allgemeingültigkeit. Kravanja sagt dazu: „Es geht mir um den Menschen, als denkendes und fühlendes Wesen, vereinzelt und in Konfrontation mit seinem Umfeld bestehend aus anderen Menschen, Tieren, Gegenständen, Landschaften.“

Die ProtagonistInnen werden durch ihre Gedanken bewegt und die Betrachtenden lassen sich durch sie zum Sinnieren inspirieren. Und so entsteht das eigentliche Bild in deren Köpfen und führt sie zu den verschiedensten Vermutungen über den Ausgang der abgebildeten Situation. Alltagsgegenstände in unüblicher Darstellungsweise bewirken einen Effekt der Verfremdung, rätselhafte Bildkomponenten verstärken den Anreiz, den Inhalt außerhalb des Bildes zu suchen und es somit zu vervollständigen.

Die Bilder Markus Kravanjas werfen Fragen auf. Er bietet selten Lösungen an und überlässt den Betrachtenden Empfindungen und Deutungen. Dazu sagt Kravanja: „Wer sich darauf einlassen will, sollte auch erahnen können, dass sich hinter der schönen Fassade etwas anderes verbergen könnte, etwas Dunkleres, Geheimnisvolles. Meine Figuren sind Geheimnisträger.“

 

Aus: Maria KRAVANJA, "Spiel des Lebens - Weiren Zheng & Markus Kravanja", 2013

Prosaminiaturen

 

Für den Bildband "Spiel des Lebens" verfasste Markus Kravanja kurze Texte zu seinen Werken, die zur Werksinterpretation anregen, indem sie den Horizont möglicher Bildaussagen erweitern.

Eine Weile noch blieb er stehen und ging dann über die Terrasse ins Haus zurück, vom Wohnzimmer in die Küche.

Dort nahm er das Brot und blickte auf die Uhr. Es war Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal klappt es und manchmal eben nicht, dachte sie bei sich. Die einfachsten Dinge waren oft die schwierigsten. Ein gewisses Misstrauen konnte jedenfalls nicht schaden und natürlich musste sie gut gerüstet sein.

Und sie ging hinter das Haus um nachzusehen. Ihre Tochter lag dort im Schatten der Hecke und

rührte sich nicht. Sie wartete einen Moment. Dabei fielen ihr wieder die Worte des Verkäufers ein.

Die Zeit im Park verflog. Sie sprachen darüber, wie alles angefangen hatte und wie schrecklich romantisch die letzten Tage gewesen waren.

„Weißt du was“, sagte sie dann, „bei mir endet es immer genau gleich.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im ersten Moment starrten alle gebannt auf die junge Frau. Keiner sagte etwas. Aber ihre Worte schwebten noch im Raum und Unsicherheit herrschte darüber, an wen sie gerichtet waren.

Diesmal war es anders. Nicht so, wie sie es erwartet hatten und sie wussten an jenem Abend noch nicht,

was das zu bedeuten hatte. Sie erkannten das erst Jahre später.

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